Blog · 30. September 2026 · 9 Min. Lesezeit

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DHI-Haartransplantation oder FUE: Was ist der Unterschied?

Sie haben Angebote für eine „DHI-Haartransplantation“ gesehen und fragen sich, ob das ein eigenes Verfahren ist – und ob es für Sie besser wäre als die FUE. Die kurze Antwort: DHI beschreibt vor allem eine bestimmte Art, die Grafts einzusetzen. Was das bedeutet und worauf es bei der Wahl ankommt, lesen Sie hier.

Medizinisch geprüft von Dr. med. Martin Reifenrath, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie · Stand:

Das Wichtigste in Kürze

  • DHI steht für Direct Hair Implantation, also direktes Einsetzen: Die Grafts, kleine Gruppen von Haarwurzeln, werden mit einem Implanter eingesetzt – einem Stift mit feiner Hohlnadel, oft Choi-Implanter genannt.
  • Entnommen werden die Grafts dabei meist wie bei der FUE, der Einzelentnahme aus dem Haarkranz. DHI ist also eine Variante des Einsetzens, keine eigene Entnahmemethode.
  • Bei der klassischen FUE werden zuerst feine Kanäle angelegt und die Grafts dann mit einer Pinzette eingesetzt. Mit einem scharfen Implanter entstehen Kanal und Einsetzen in einem Schritt.
  • In der Fachliteratur gilt keine der beiden Techniken als grundsätzlich überlegen. Wichtig sind die Erfahrung des Teams, Haar und Haut sowie eine gute Planung.
  • Begriffe wie „DHI“ oder „Saphir“ bezeichnen Werkzeuge und Arbeitsschritte, nicht die Qualität des Ergebnisses.
  • Welche Technik zu Ihnen passt, lässt sich erst nach einer ärztlichen Untersuchung beurteilen.

Was ist eine DHI-Haartransplantation?

DHI ist die Abkürzung für Direct Hair Implantation, auf Deutsch etwa „direktes Einsetzen der Haare“. Gemeint ist das Einsetzen der Grafts mit einem Implanter: einem Stift, an dessen Spitze eine feine Hohlnadel sitzt. Über Jahrzehnte waren Pinzetten das einzige Werkzeug zum Einsetzen, bis Dr. Choi 1992 den Implanter vorstellte. Deshalb ist oft vom Choi-Implanter die Rede; in der Fachliteratur heißt dieser Typ auch koreanischer Implanter.

So arbeitet ein scharfer Implanter: Ein Graft wird in die Hohlnadel geladen, die Nadel sticht in die Kopfhaut, der Graft bleibt im Stichkanal zurück, dann wird die Nadel herausgezogen. Kanal und Einsetzen entstehen also in einem Schritt. Daneben gibt es Implanter mit stumpfer Nadel, mit denen Grafts in vorher angelegte Kanäle gesetzt werden.

Wichtig für den Vergleich: Die Entnahme erfolgt bei DHI meist wie bei der FUE, also einzeln mit einer feinen Hohlnadel aus dem Haarkranz am Hinterkopf. Wer „DHI oder FUE“ fragt, vergleicht deshalb streng genommen zwei Arten, die Grafts nach einer Einzelentnahme einzusetzen.

Wie unterscheidet sich das Einsetzen bei FUE und DHI?

SchrittFUE mit PinzetteDHI mit scharfem Implanter
Entnahmeeinzeln mit feiner Hohlnadelin der Regel ebenso
Kanäle für die Graftswerden vorab mit feiner Klinge oder Nadel angelegtentstehen beim Einsetzen durch die Nadel des Implanters
Einsetzenmit feiner Pinzette in die fertigen Kanälemit dem Implanter, der vorher mit dem Graft bestückt wird
Wer was übernimmtDas Anlegen der Kanäle zählt die ISHRS zu den ärztlichen Aufgaben; das Einsetzen ist ein eigener SchrittEinstich und Einsetzen sind ein Schritt – das Anlegen der Kanäle zählt die ISHRS zu den ärztlichen Aufgaben

Beide Wege sind etabliert. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 hält fest, dass Pinzetten in den Händen gut geschulter Teams ein sicheres Einsetzen erlauben. Implanter haben an Bedeutung gewonnen, weil Grafts aus einer Einzelentnahme als empfindlich gelten. Welches Instrument gewählt wird, hängt nach dieser Arbeit davon ab, wie gut das Team mit dem jeweiligen Instrument zurechtkommt, und von dessen Vor- und Nachteilen.

Welche Vor- und Nachteile hat der Implanter?

Eine Praxisanleitung von Ärzten, die die Technik selbst anwenden (2023), nennt als Vorteile des scharfen Implanters gegenüber der Pinzette: einen einfachen Ablauf, eine kürzere Operationszeit und weniger Quetschungen, weil die Grafts nicht mit der Pinzette gegriffen werden. Außerdem lasse sich der Einstichwinkel fein an Lockung und Dicke der Haare anpassen.

Dieselbe Arbeit nennt auch Nachteile: Bei Blutungsneigung ist die Technik mühsamer, sie ist für die Ärztin oder den Arzt arbeitsintensiv, und Implanter sind teurer als Pinzetten. In ungeübten Händen können Grafts beim Einsetzen wieder herausgedrückt werden, was das Anwachsen verschlechtern kann – die Technik braucht Erfahrung.

Hände in sterilen Handschuhen vor einem Eingriff
Ob Pinzette oder Implanter: Entscheidend ist, wie viel Erfahrung das Team mit dem Instrument hat.

Das zweistufige Vorgehen mit vorab angelegten Kanälen hat eigene Stärken: Eingesetzt wird erst, wenn die Blutung nachgelassen hat, und bei fester oder vernarbter Kopfhaut gilt dieses Vorgehen als hilfreich. Dafür verlangt das Greifen empfindlicher Grafts mit der Pinzette viel Übung.

Für wen kommt welche Technik infrage?

Eine allgemeine Empfehlung gibt es nicht. Nach der genannten Praxisanleitung kann bei ein und derselben Person je nach Bereich der Kopfhaut sogar mehr als eine Technik sinnvoll sein. Eine Rolle spielen unter anderem:

  • die Haut: Bei fester oder vernarbter Kopfhaut sind vorab angelegte Kanäle oft günstiger,
  • eine Blutungsneigung: Sie erschwert das Einsetzen im selben Schritt,
  • das Haar: Dicke, Lockung und die Zahl der Haare pro Graft beeinflussen Kanalgröße und Werkzeug – Implanter setzten sich zuerst bei glattem, kräftigem Haar mit meist ein bis zwei Haaren pro Graft durch,
  • das Team: Wichtig ist, mit welchem Instrument es die meiste Erfahrung hat.
Arzt untersucht die Kopfhaut eines Mannes
Haut, Haar und Spenderbereich entscheiden mit, welche Technik infrage kommt.

Mindestens ebenso wichtig ist die Frage davor: Einzelentnahme (FUE) oder Streifenentnahme (FUT, bei der ein schmaler Hautstreifen aus dem Haarkranz entnommen wird)? Die Unterschiede zeigt der Vergleich FUE vs. FUT; die Verfahren beschreiben die Seiten FUE-Haartransplantation und FUT-Haartransplantation.

Was bedeuten „DHI“, „Saphir“ und andere Begriffe wirklich?

Rund um Haartransplantationen kursieren viele Namen, die nach einem eigenen Verfahren klingen. Meist steht dahinter ein Werkzeug oder ein einzelner Arbeitsschritt:

  • „DHI“ meint das Einsetzen mit Implanter; die Entnahme erfolgt meist einzeln wie bei der FUE.
  • „Choi-Implanter“ ist der ursprüngliche Implanter mit scharfer Nadel; inzwischen gibt es weitere Implanter und Einsetzhilfen.
  • „Saphir“ oder „Saphir-FUE“ bezeichnet Klingen aus Saphir, mit denen die feinen Kanäle für die Grafts angelegt werden. Der Begriff betrifft also das Anlegen der Kanäle, nicht die Entnahme.
  • Markennamen einzelner Anbieter stehen meist für eine bestimmte Kombination aus Instrumenten und Abläufen. Fragen Sie, was konkret dahintersteht.
Feines Instrument an der angezeichneten Haarlinie
Die feinen Kanäle für die Grafts werden mit einer winzigen Klinge oder Nadel angelegt.

Zu Saphirklingen gibt es bislang nur wenige Studien. Eine rein rechnerische Arbeit kam 2021 zu dem Ergebnis, dass eine bestimmte Saphirklinge die kleinste Wundfläche erzeugt; an Patientinnen und Patienten gemessen wurde das dort nicht. Für das Anwachsen gilt nach der oben genannten Praxisanleitung vor allem die richtige Tiefe der Kanäle als entscheidend.

Selbst der Name FUE wurde angepasst: 2018 hat die ISHRS, die internationale Fachgesellschaft für Haarchirurgie, die Bedeutung von „Extraction“ (Herausziehen) in „Excision“ (Herausschneiden) geändert. Der alte Begriff sei genutzt worden, um den chirurgischen Charakter des Eingriffs herunterzuspielen. Das gilt für jeden Namen: Eine Haartransplantation bleibt eine Operation, wie auch immer das Verfahren heißt.

Worauf kommt es mehr an als auf den Namen?

Das Instrument ist nur ein Teil der Behandlung. Mindestens ebenso wichtig sind eine Diagnose der Ursache Ihres Haarausfalls, eine realistische Einschätzung des Spenderbereichs, eine natürlich wirkende Haarlinie und eine Graft-Zahl, die auch spätere Behandlungen noch zulässt – mehr dazu im Beitrag Wie viele Grafts brauche ich? und im Graft-Rechner.

Fragen Sie außerdem, wer welchen Schritt übernimmt. Die ISHRS zählt Untersuchung, Planung, Entnahme, das Festlegen der Haarlinie und das Anlegen der Kanäle zu den ärztlichen Aufgaben. Sticht ein Implanter den Kanal selbst, fallen Anlegen und Einsetzen zusammen – fragen Sie deshalb auch, wer den Implanter führt. Ob eine Behandlung ganz ohne Rasur möglich ist, ist eine eigene Frage – dazu mehr im Beitrag Haartransplantation ohne Rasur.

Auf der Kopfhaut wird vor dem Eingriff die geplante Haarlinie angezeichnet
Diagnose, Spenderbereich und eine natürlich wirkende Haarlinie zählen mehr als der Name des Verfahrens.

Ehrliche Einordnung: Was die Studien zeigen – und was nicht

Die Arbeiten, auf die sich dieser Beitrag stützt, sind eine Übersichtsarbeit, eine Praxisanleitung, eine rechnerische Untersuchung und Stellungnahmen der Fachgesellschaft – keine Studien, in denen Patientinnen und Patienten zufällig einer Technik zugeteilt wurden. Ein Teil der Fachliteratur stammt zudem von Ärzten, die Instrumente entwickelt haben oder an ihnen beteiligt sind; so hält ein Autor der genannten Praxisanleitung nach eigener Angabe Patente an einem Implanter. Aussagen wie „DHI wächst besser an“ oder „Saphir heilt schneller“ lassen sich deshalb nicht verallgemeinern.

Keine Einsetztechnik macht eine Haartransplantation risikofrei. Möglich sind unter anderem Schwellungen, Krusten, Infektionen, ein vorübergehender, in manchen Fällen dauerhafter Ausfall vorhandener Haare (Shock Loss), ein schwächeres Anwachsen als erhofft und kleine Narben im Spenderbereich. Auch mit Implanter bleibt die Entnahme ein chirurgischer Eingriff mit vielen kleinen Wunden.

Eine Transplantation verteilt vorhandene Haare um. Wie dicht das Ergebnis wird, hängt unter anderem vom Spenderbereich, von der Fläche und vom Haartyp ab und ist individuell verschieden. Weiteren erblich bedingten Haarausfall hält der Eingriff nicht auf; manchmal ist zusätzlich eine medikamentöse Behandlung sinnvoll, die eine Hautärztin oder ein Hautarzt verordnet.

Welches Verfahren passt zu Ihnen?

Bei Hair Doctors kommen die FUE, die FUT, die Hair Doctors FUEplus-Methode und die robotergestützte Entnahme mit ARTAS® iX zum Einsatz. Welches Verfahren für Sie infrage kommt und an welchem Standort es angeboten wird, klären wir in der unverbindlichen 1:1 Beratung – vor Ort an sechs Standorten oder per Video. Vor einer Behandlung stehen bei uns stets zwei Beratungen, in denen wir Ihre Haarsituation und Ihren Spenderbereich ansehen und offen sagen, was realistisch ist.

Häufige Fragen

Ist DHI besser als FUE?

Nicht grundsätzlich. DHI beschreibt das Einsetzen mit einem Implanter, die Entnahme erfolgt meist wie bei der FUE. In der Fachliteratur gilt keine der beiden Einsetztechniken als grundsätzlich überlegen; wichtig sind die Erfahrung des Teams, Haar und Haut sowie eine gute Planung.

Ist DHI eine eigene Methode?

Eher eine Variante. Die Grafts werden meist einzeln entnommen wie bei der FUE und anschließend mit einem Implanter statt mit einer Pinzette eingesetzt. „DHI oder FUE“ ist deshalb streng genommen ein Vergleich zweier Arten, die Grafts einzusetzen.

Was ist ein Choi-Implanter?

Ein Stift mit feiner Hohlnadel, den Dr. Choi 1992 vorgestellt hat. Der Graft wird in die Nadel geladen und mit dem Einstich in die Kopfhaut gesetzt, sodass Kanal und Einsetzen in einem Schritt entstehen. Heute gibt es weitere Implanter, auch solche für vorher angelegte Kanäle.

Wer setzt bei DHI die Grafts ein?

Das ist eine gute Frage für jedes Beratungsgespräch. Sticht der Implanter den Kanal selbst, entsteht dabei die Empfängerstelle – und deren Anlage zählt die Fachgesellschaft ISHRS zu den Aufgaben von Ärztinnen und Ärzten. Fragen Sie deshalb konkret, wer den Implanter führt.

Muss bei einer DHI-Haartransplantation rasiert werden?

Für die Einzelentnahme wird der Spenderbereich in der Regel ganz oder teilweise gekürzt – auch wenn anschließend mit Implanter eingesetzt wird. Ob der Empfängerbereich kurz sein muss, hängt vom Vorgehen ab; mehr dazu im Beitrag Haartransplantation ohne Rasur.

Was bedeutet Saphir-FUE?

„Saphir“ bezeichnet Klingen aus Saphir, mit denen die feinen Kanäle für die Grafts angelegt werden. Der Begriff betrifft also das Anlegen der Kanäle, nicht die Entnahme. Ob Saphirklingen im Ergebnis einen spürbaren Unterschied machen, ist bislang kaum untersucht.

Wann sieht man nach einer DHI-Haartransplantation Ergebnisse?

Wie nach jeder Haartransplantation fallen viele der verpflanzten Haare in den ersten Wochen zunächst aus; die neuen Haare beginnen meist nach einigen Monaten zu wachsen. Das Endergebnis zeigt sich nach etwa einem Jahr und ist individuell verschieden.

Medizinischer Hinweis:Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Beratung. Ob und welche Behandlung für Sie infrage kommt, klären Sie bitte persönlich mit einer Fachärztin oder einem Facharzt. Ergebnisse einer Behandlung sind individuell verschieden.

Quellen (5) anzeigen
  1. Speranzini M, Souza SEG (2024): Advancements in Graft Placement Techniques. Facial Plastic Surgery 40(2):223–233. PubMed-ID 37879353. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37879353
  2. Park JH, Ho YH, Manonukul K (2023): A Practical Guide to Hair Graft Placement Using the Sharp Implanter Method. Clinical, Cosmetic and Investigational Dermatology 16:1777–1785. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10349607
  3. Ahmad M, Ismail M (2021): Effect of different shapes of recipient site creation micro-blades at varying angles and wound injury. Journal of Cosmetic Dermatology 20(11):3610–3615. PubMed-ID 33599101. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33599101
  4. International Society of Hair Restoration Surgery (ISHRS) (2024): ISHRS Position Statement on Qualifications for Scalp Surgery. Überarbeitet am 13.07.2024. ishrs.org/ishrs-position-statement-on-qualifications-for-scalp-surgery
  5. International Society of Hair Restoration Surgery (ISHRS) (2018): Popular Hair Restoration Technique Updates Name to Reflect Surgical Nature of Procedure. Mitteilung vom 06.03.2018. ishrs.org/popular-hair-restoration-technique-updates-name-to-reflect-surgical-nature-of-procedure

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